LAN-Anbindung für BSB-Bus (Brötje, Elco Thision etc.)

Begonnen von justme1968, 29 November 2014, 19:50:40

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freetz

Im ChangeLog sind die Parameter 10000, 10001 und 10002 erwähnt. Kann sein, dass Du die spezielle Variante nicht hast, weil sie für Gerätefamilie 59 ist. Hast Du eine Weishaupt WTU? Wenn ja, dann einfach auch da anwenden, denn es ist ja auch eine der Parameter 10000 Varianten. Wenn nicht, dann verstehe ich die Frage nicht.

Aber freut mich, dass dann jetzt alles funktioniert.
Alle Infos zur Anbindung von Heizungssystemen mit PPS-, LPB- bzw. BSB-Bus ans LAN gibt es hier:
https://github.com/fredlcore/BSB-LAN

Alle Infos zum WLAN-Interface "Robotan" für Ambrogio/Stiga/Wolf und baugleiche Rasenmähroboter:
https://github.com/fredlcore/robotan

Glenbeulah

Brötje BBK EVO 22 + BSB-LAN + Home Assistant — Heizkurve, Taktung & Verbrauchskalibrierung

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank nochmal an Frederik&Co für dieses tolle Projekt und die Unterstützung bei der Realisierung.
Der Einbau und das Setup haben tadellos funktioniert und BSB-Lan läuft bei mir seit Anfang des Jahres ohne Probleme.

ich möchte kurz mein Projekt vorstellen und habe ein paar Fragen an die erfahrenen BSB-LAN-Nutzer.

Mein Setup

  • Therme: Brötje BBK EVO 22i (2,9–20 kW Heizung, 2,9–22 kW WW, 95L Speicher) LMS15.003A100
  • BSB-LAN: Angebunden über ESP32 (Olimex ESP32-EVB), Zugriff auf alle Parameter
  • Home Assistant: Komplettes Heizungsmanagement:
      - Raumtemperatur-Aufschaltung (BSB 10000) aus gewichtetem Durchschnitt von 6 Räumen (Tado + SwitchBot Sensoren)
      - Geofencing → Away-Absenkung mit BSB Komforttemperatur-Anpassung
      - Fenster-auf-Erkennung → Frostschutz pro Raum
      - Energiemonitoring über Heizgradstunden + Therme-Verbrauchszähler (BSB 8381/8382)
      - Taktungs-Erkennung über BSB 8331 (Brennerstarts)
      - Korrekturfaktor-Kalibrierung (Prog. 2551) gegen echten Gaszähler
Haus: Baujahr 1960, teilsaniert (neues Dach 2025), ~138 m² beheizt, 3 Etagen, 5 Personen

Aktuelle BSB-Parameter:
720 Steilheit:            1,10
721 Parallelverschiebung: 0,0°C
726 Adaption:             Ein
750 Raumeinfluss:         20%
760 Schaltdifferenz:      0,5°C
741 VL-Maximum:           52°C

Heizlast-Abschätzung

Aus den bisherigen Verbrauchsdaten (Therme-Zähler vs. Heizgradstunden) ergibt sich ein Gebäudekoeffizient von ca. 0,038 kWh/GTZ/m²:

Außentemp.   Heizlast   Therme-Min (2,9 kW)
−12°C        ~6,6 kW    46% Auslastung
  0°C        ~3,9 kW    20% Auslastung
 +5°C        ~2,8 kW    unter Mindestmodulation!
+10°C        ~1,7 kW    weit unter Minimum

Die Therme ist ca. 3× überdimensioniert für die reine Heizlast — die 22 kW werden wegen WW-Bereitung (5 Personen, 95L Speicher) benötigt.

---

Frage 1: Taktung — was ist normal?

Bei mildem Wetter (+5°C) beobachte ich eine sehr spiky Modulation (0–100% statt stabiler 20–40%). Die Therme taktet ca. 2–3 Starts/Stunde.

  • Ab welcher Rate spricht man von problematischer Taktung? Ich habe >3 Starts/h als Schwelle definiert — realistisch?
  • Hat jemand Erfahrungen mit der BBK EVO bei milder Witterung? Bei meiner Überdimensionierung scheint Taktung ab ca. +5°C unvermeidlich, da die Heizlast unter die Mindestmodulation fällt.

Frage 2: Heizkurven-Optimierung bei Überdimensionierung

Mein Plan: Parallelverschiebung (721) und Steilheit (720) optimieren, um den Vorlauf bei mildem Wetter zu reduzieren. Die Adaption (726) gleicht Abweichungen automatisch aus.

  • Hat jemand Erfahrung mit dem Zusammenspiel von Adaption (726) und manueller Kurvenoptimierung? Arbeitet die Adaption gegen manuelle Korrekturen, oder ergänzt sie sich?
  • Steilheit (720): Zuerst die Verschiebung oder die Steilheit anpassen?

Frage 3: Raumtemperatur-Aufschaltung (BSB 10000) — welcher Raum?

Ich sende aktuell einen gewichteten Durchschnitt aus 6 Räumen an BSB 10000 (alle 7 Minuten). Die Gewichtung berücksichtigt Raumgröße und Trägheit.

  • Ist ein gewichteter Durchschnitt sinnvoll, oder wäre ein einzelner Referenzraum besser? Falls ja — welche Eigenschaften sollte dieser Raum haben (Innenwand, keine Sonneneinstrahlung, mittlere Etage)?

Frage 4: Verbrauchszähler (BSB 8381/8382) — Genauigkeit

Die Therme schätzt den Gasverbrauch über die Gebläsedrehzahl. Ich kalibriere den Korrekturfaktor (Prog. 2551) gegen meinen echten abgelesenen Gaszähler.

  • Welche Abweichungen sind bei euch typisch? Muss man den Faktor saisonal anpassen (unterschiedliche Brennerlaufzeiten Sommer vs. Winter)?
  • Wie oft sollte man den Faktor 2551 kalibrieren?

Danke für euren Input! Bin gespannt auf eure Erfahrungswerte.

Gruß, Glen

freetz

Hallo Glen,

also ich würde sagen, Du bist grundsätzlich schon ziemlich gut davor, was Dein Heizungsmanagement angeht. Bei unserem Haus von 1964 kann ich von einer Heizkurvensteilheit von 1,1 nur träumen.  Meine Thision S 17.1 kommt auf ca. 2kW runter und ist damit schon eine der niedrigmodulierendsten Thermen auf dem Markt. Mit 2,9kW wirst Du in der Übergangszeit von daher vermutlich ins Takten kommen, aber 2-3 Starts sind da kaum zu vermeiden. Ein Pufferspeicher könnte da etwas abfedern, aber dafür extra einen einzubauen, macht finanziell keinen Sinn. Die Modulation geht bei einem Neustart meist immer erst mal auf 100%, da müsstet Du sonst mal mit den Parametern in der Kessel-Kategorie "spielen", sowohl was Brennermindestlaufzeit und -pausenzeiten angeht, als auch was die Leistung während der aktiven Reglerverzögerung angeht (die habe ich bei mir auf 1%, aber mehr bringt natürlich höheren Komfort). Auch die Schaltdifferenz-Temperaturen könnten noch etwas bringen. Aber letztlich heißt Übergangszeit immer Takten - es sei denn, Du machst es Dir dann einfach wärmer in der Bude, so dass die Heizung dann wieder durchläuft. Denn platt gesagt: Auch wenn 5 Stunden auf 20% Leistung so viel erscheinen wie 1 Stunde auf 100% Leistung (5 x 20 == 1 x 100), weil Du Dir bei den 100% Leistung vermutlich wegen der zu hohen Vorlauftemperatur den Brennwerteffekt zerschießt.

Die automatische Heizkurvenadaption hat bei mir teils sehr extreme Werte erzeugt (über 3), vielleicht pendelt sich das auf längere Sicht wieder ein, aber das wollte ich bei den Sprüngen nicht groß ausprobieren.

Beim Raumeinfluss reicht ggf. ein sehr viel kleinerer Wert. Es gibt hier im Forum (frag nicht wo) einen Beitrag von mir (vor Jahren), wo ich die Formel mal erklärt habe. Mir reicht 1% aus, alles andere lässt bei einer Abweichung von > 1 Grad das Vorlauf-Soll stark in die Höhe schießen. Beim Referenzraum kommt es darauf an: Ich habe lange Zeit eine gemittelte, gewichtete Temperatur an die Therme gesendet. Am Ende war für uns aber klar, dass das Wohnzimmer der Raum ist, in dem wir uns am meisten aufhalten (und der dazu am schlechtesten aufheizt). Von daher sind wir vor einiger Zeit wieder auf nur diesen Raum zurückgegangen. Bei einem guten hydraulischen Abgleich sollte es eh' keinen großen Unterschied geben, und (deutlich) verschiedene Temperaturen machen in einem Haus auch nicht viel Sinn, weil die Wände dazwischen oft nicht gut genug isoliert sind und sich über die Türen die Temperatur dann doch sehr vermischt. Wenn Du's dann irgendwo kälter brauchst, dann eher mit den Thermostatköpfen regeln.

Verbrauchszähler habe ich leider nicht.

VG, F.
Alle Infos zur Anbindung von Heizungssystemen mit PPS-, LPB- bzw. BSB-Bus ans LAN gibt es hier:
https://github.com/fredlcore/BSB-LAN

Alle Infos zum WLAN-Interface "Robotan" für Ambrogio/Stiga/Wolf und baugleiche Rasenmähroboter:
https://github.com/fredlcore/robotan